Internationale Schenkungsteuerfälle


Ihre Tochter oder Ihr Sohn hält sich studien- oder arbeitsbedingt für längere Zeit im Ausland auf. Sie möchten aber jetzt (!) Anteile an Ihrer Gesellschaft im Wege der vorweggenommenen Erbfolge unentgeltlich auf Ihren Spross übertragen, selbstredend unter Nießbrauchsvorbehalt. Im Inland kommen die erbschaft-/schenkungsteuerlichen Begünstigungsvorschriften für Betriebsvermögen zur Anwendung. Das ist Ihnen klar. Wie sieht es aber im Ansässigkeitsstaat Ihrer Nachkommin oder Ihres Nachkommens aus? Darf dieser Schenkungsteuer erheben? Ein Schritt zurück: Kennt das ausländische Steuerrecht überhaupt eine Schenkungsteuer? Werden unentgeltliche Übertragungen von nicht unbeschränkt steuerpflichtigen Schenkern von der ausländischen Schenkungsteuer erfasst? Falls erfreulicherweise keine ausländische Schenkungsteuer anfällt, muss trotzdem geprüft werden, ob ausländischen Anzeige- oder Meldepflichten nachzukommen ist.

Die Liste der Fragen kann noch verlängert werden: Wie wird im Ausland der Wert der Anteile für Zwecke der Schenkungsteuer ermittelt? Kann der Vorbehaltsnießbrauch zum Abzug von der schenkungsteuerlichen Bemessungsgrundlage gebracht werden? Wie wird dessen Wert ermittelt? Wie werden spätere Ausschüttungen aus der deutschen Kapitalgesellschaft oder Ihre Ergebnisanteile aus der deutschen Personengesellschaft im Ausland aus ertragsteuerlicher Sicht behandelt? Inwieweit ist gegebenenfalls anfallende deutsche Einkommensteuer – vor oder nach Anrechnung der Gewerbesteuer – auf die ausländische Einkommensteuer anrechenbar? Inwiefern und inwieweit wird der Nießbrauch hierbei berücksichtigt?

Die schenkungsteuerlichen Folgen einer unentgeltlichen Übertragung von Gesellschaftsanteilen stehen (zunächst) im Fokus. Die ertragsteuerliche Seite darf aber nicht übersehen werden, weil durch eine solche Zuwendung stille Reserven aufgedeckt werden können. Dies hängt insbesondere von der Art der Gesellschaftsanteile ab. Im Fall von Personengesellschaftsanteilen – oftmals die Beteiligung an einer deutschen GmbH & Co. KG – muss im Vorfeld eine sehr sorgfältige Analyse vorgenommen werden. In zahlreichen Fällen zeigt diese, dass Umstrukturierungen erforderlich sind. Unter Umständen lautet die Empfehlung, die unentgeltliche Übertragung in der konkreten Konstellation gar nicht respektive erst dann vorzunehmen, wenn die Tochter oder der Sohn (wieder) ins Inland gezogen sein wird. Sofern Kapitalgesellschaftsanteile übertragen werden sollen, ist die Luft sehr dünn. Die wenigen verbleibenden Optionen müssen mit einem ausreichenden zeitlichen Vorlauf eingehend geprüft werden.

Sofern Sie unentgeltliche Übertragungen planen, analysiere ich im Vorfeld die steuerlichen Auswirkungen im Inland und in Zusammenarbeit mit meinen Partnern im Ausland. Falls Umstrukturierungen erforderlich sein sollten, begleite ich diese. Nach erfolgter Übertragung sorge ich dafür, dass Anzeige- und Meldepflichten sowie Deklarationspflichten im Inland und Ausland erfüllt werden.